geschrieben von Impact Hub Ruhr Mitglied Tina Marquardt

Der Charme des Ruhrpotts

Der einzigartige Charme des Ruhrgebiets ist vielleicht nicht auf dem ersten Blick zu erkennen. Lässt man sich jedoch nicht direkt von der funktionalen und eintönigen Architektur der Region abschrecken, findet man nicht nur die schönen Ecken der Gegend, sondern bemerkt auch das Potential. Die drei Gründer*innen des Impact Hub Ruhr bieten nicht nur den physischen Raum, sondern auch ein vielseitiges Netzwerk und KnowHow, um das Ruhrgebiet zu einer Region für enkeltaugliches Wirtschaften zu machen.

Ein urbanes Gebiet mit vielen Baustellen, die jedoch gleichzeitig ein riesige Chance für Fortschritt und Innovation darstellen, bot für die drei Gründer*innen genau die richtige Herausforderung. Das Haus der Technik, direkt gegenüber des Essener Hauptbahnhofs, ist nun das zentrale Quartier für Gründer, Kreative, Studierende und Unternehmen.

Ein enkeltauglicher Pott ist die Vision der drei Gründer*innen

Das Ruhrgebiet nachhaltig zu gestalten ist dabei ein wichtiger Punkt auf der Agenda. Neben dem Coworking Space und Workshopraum für Freelancer, Unternehmer, Wissenschaftler, Kreative, Techies und digitale Nomaden liegt es dem Team am Herzen unterschiedliche Menschen zu vereinen und somit innovative Ansätze voranzutreiben. Davon soll auch das Ruhrgebiet profitieren. Somit ist der Impact Hub kein einfacher Coworking Space, sondern ein nachhaltig orientiertes Unternehmen, welches alle Stakeholder im Blick behält und die Metropole Ruhr bereichern möchte.

Innovation through unlikely allies“, also Innovationen durch ungewöhnliche Partnerschaften spielt auch neben der Enkeltauglichkeit eine wichtige Rolle. Im Impact Hub kommen Menschen aus diversen Bereichen zusammen und tauschen sich aus. Nicht nur im Arbeitsalltag kann man von den unterschiedlichen Expertisen lernen, sondern auch auf den vielen Events ermöglicht der Impact Hub Ruhr einen angeregten Austausch zu wechselnden Themen. Dabei steht nicht immer Nachhaltigkeit oder ein enkeltaugliches Ruhrgebiet im Vordergrund, sondern auch der Wissenstransfer. Doch wie genau entstehen durch Kooperationen Innovationen? Und warum macht es einfach Sinn im Ruhrgebiet einen Raum zu schaffen, der mehr ist als ein physischer Arbeitsplatz, sondern gleichzeitig eine Gemeinschaft, die ähnliche Werte teilt?

So entsteht kollektive Intelligenz

Ein Beispiel aus der Natur kann dabei als Inspiration und Hilfe dienen, um das Prinzip und die Chancen der kollektiven Intelligenz zu verdeutlichen. Bienen bekommen im Moment leider die meiste Aufmerksamkeit aufgrund der bedrohlichen Situation. Warum Bienen aber noch viel mehr sind als unsere Sicherung für Nahrungsmittel und Artenvielfalt und warum der Impact Hub ein innovativer Schwarm ist, kann sehr einfach erklärt werden.

Nicht nur Bienenforscher haben sich mit dem Thema der Schwarmintelligenz (auch kollektive Intelligenz oder emergentes Phänomen genannt) beschäftigt, sondern bereits Science-Fiction Autoren wie Phillip K. Dick stellten fest, dass Gruppen bessere Alternativen für komplexe Entscheidungen finden, als einzelne Mitglieder. Besonders deutlich wird diese Entdeckung bei der Untersuchung von dem Zusammenleben der Bienen.

Jedes Jahr steht ein gesundes Bienenvolk vor einer neuen komplexen Entscheidung, welchen Ort wählt die neue Generation als ihr Zuhause. Wie auch Menschen müssen die Bienen dabei verschiedene Faktoren beachten. Der erste Forscher, der sich tiefgreifend mit der Kommunikation der Bienen befasste, war Karl von Frisch. Sein Schüler, Martin Lindner, setzte die Forschung fort und schließlich begeisterte sich auch Thomas D. Seeley für die Kommunikation und Entscheidungsprozesse der Bienen.

Bienen schaffen es in 9 von 10 Fällen die beste Alternative für einen geeigneten Nistplatz zu finden. Wie sie das machen? Sie arbeiten zusammen und nutzen dabei die kollektive Intelligenz des Schwarms, welche die Kapazität des einzelnen Organismus weit überschreitet. Bienen haben kein Ego und ein gemeinsames Ziel, dies hilft Ihnen dabei Informationen transparent an „die Mitbürger“ weiterzugeben. So sammeln die Bienen alle Informationen, um dann ihre eigene Alternative mit anderen Optionen zu vergleichen. Daher treffen sie informierte Entscheidungen, die im Konsens stattfinden. Somit sind sie in der Lage den besten Nistplatz für den Schwarm zu finden.

Auch andere Wisschenschaftler wie Daniel J. Levithin beschreiben Phänomene der kollektiven Intelligenz. Dabei bezieht er sich jedoch auf Musik, denn er stellte fest, dass Menschen die in Gruppen singen den Text besser beherrschen und ein Lied weiter singen können, als eine Person alleine. Dabei wird vermutet, dass einzelne Schwächen durch die Gruppe ausgeglichen werden können.

Wenn wir also zusammen bessere Lösungen finden, sollten wir uns nun ein Beispiel an der Natur nehmen und selbst wieder mehr zusammenarbeiten und unser Wissen teilen. Der Impact Hub Ruhr hat das verstanden und gibt seinen Mitgliedern und Interessenten genau diese Möglichkeit. Denn auch wenn ein nachhaltig wirtschaftendes Ruhrgebiet das Ziel ist, sind Künstler, Kreative und IT-Experten genauso wertvoll für die Gemeinschaft wie Nachhaltigkeitsexperten und BWLer. Denn wenn wir es schaffen unser Wissen zu teilen, können wir die Kapazität des einzelnen übersteigen und somit innovative Lösungen finden, die nicht nur auf dem Papier zu den Sustainable Development Goals der UN beitragen, sondern für die lokale Bevölkerung einen Mehrwert liefern.

Kollektive Intelligenz im Impact Hub Ruhr

Das Prinzip der kollektiven Intelligenz funktioniert also auch beim Menschen, ohne dass wir uns wirklich darüber bewusst sind. Warum sollen wir diese Fähigkeit also nicht nutzen um Probleme zu lösen, die zu komplex sind für eine Person alleine?

Der Impact Hub Ruhr fungiert somit als innovativer Schwarm im Ruhrgebiet. Sie bieten einen Raum und ein lokales und globales Netzwerk, dadurch ist es möglich als Gruppe an komplexen Problemen zu arbeiten und durch die Informationsvielfalt und gemeinsamen Werte eine Lösung zu finden.

Besonders spannend sind die anstehenden Hackathons im Oktober. Bei dem Climathon und dem EDU Hack Ruhr werden die Köpfe der Teilnehmer wahrscheinlich auch nach 24h summen, denn sie arbeiten, wie die Bienen, gemeinsam an einer Lösung.

Sei Teil der Lösung

Jeder mit einem grundlegenden Interesse am Thema Klimawandel oder Digitalisierung in der Bildung kann an dem jeweiligen Hackathon teilnehmen. Du brauchst keinen bestimmten Abschluss oder eine Qualifikation, sondern Begeisterung und einen wachen Geist. Denn genau der unterschiedliche Hintergrund der Teilnehmer ist das Potential. Du brauchst also weder IT-Kenntnisse noch musst du ein Experte für die Themen Klima und Bildung sein. Ein ehrliches Interesse daran das Ruhrgebiet zu gestalten ist es was die Teilnehmer auszeichnet. Den Gewinner erwartet ein kreativer Raum und ein Netzwerk, um die Idee zum Leben zu erwecken.

Dass genau diese Formate Erfolg haben und Menschen durch Kooperationen einzigartige Ideen und Produkte hervorbringen, beweisen bereits die „Schwestern“ des Impact Hub Ruhr. So können die drei Gründer*innen von den Erfahrungen der anderen Hubs lernen und die Gemeinschaft zielgerichtet unterstützen. Skillshare Lunches, Impact Evenings und Workshops sind nur einige Beispiele für das kooperative Konzept des Impact Hub Netzwerks. Davon profitiert die Community vor Ort und unterwegs, denn sie können ebenfalls in den anderen 100 Impact Hubs arbeiten und so von dem Wissen des weltweiten Netzwerks profitieren.

Möchtest du Teil des innovativen Schwarms werden?

Möchtest du Teil des innovativen Schwarms im Ruhrgebiet sein? Oder hast du Ideen für die anstehenden Hackathons? Du bist herzlich eingeladen teilzunehmen und deine Ideen und Expertise einzubringen. Gerne kannst du auch die Gründer*innen des Impact Hub Ruhr jederzeit mit Fragen löchern.

Zusammen können wir, genau wie Bienen, unsere individuellen Kapazitäten übersteigen und zum Fortschritt im Ruhrgebiet beitragen. Hier im Impact Hub haben wir den Raum und das Netzwerk.

Komm einfach vorbei und schwärm mit dem Hub für das Ruhrgebiet.

Über die Autorin: Tina Marquardt ist Wirtschaftsphilosophin. Seit Jahren forscht sie im Bereich Corporate Social Responsibility und beschäftigt sich diesbezüglich auch mit dem Sozialverhalten von Bienen als Vorbild für nachhaltiges wirtschaften.

*Foto: Tina Marquardt, bee.shot