Momentan läuft die 23. UN Weltklimakonferenz in Bonn bei der sich Delegierte aus 195 Ländern treffen, um zu vereinbaren, wie sie die Klimaziele des Pariser Abkommens einhalten und umsetzen können. Auf lokaler Ebene haben sich in Essen (Ruhr) Klimainteressierte beim Climathon versammelt und sich ebenfalls mit der Klima-Thematik inhaltlich auseinandergesetzt, um kreative Lösungen zum Thema für die Region zu erarbeiten.

Am 27. Oktober wurde der Climathon 2017 in Essen durch den Impact Hub Ruhr veranstaltet. Die 24-stündige Veranstaltung von Climate KIC fand weltweit in über 600 Städten statt und wurde in Essen neben dem Impact Hub Ruhr von der internationalen Organisation Climate KIC, der Stadt Essen, der Mercator Stiftung, E.ON :agile accelerator sowie Haus der Technik e.V. unterstützt. In Form eines Ideenmarathons, bei dem die Teilnehmer*innen sich innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens eines Problems annehmen und in Gruppen Lösungen erarbeiten, haben sich in Essen über 25 engagierte Bürger*innen dem Klimaschutz gewidmet. Das Thema des Essener Climathons hieß „Nachhaltige Mobilität im Ruhrgebiet“.

Drei Expert*innen inspirierten die Teilnehmer*innen mit ihren Vorträgen

Climathon Essen_Christian Wagener

Der Climathon startete mit drei inspirierenden Kurzvorträgen von geladenen Expert*innen, um den Teilnehmer*innen genügend Informationen und Beispiele für den bevorstehenden Marathon an die Hand zu geben.

Ute Jansen von der Ruhrbahn gab einen Überblick zu aktuellen Pendlerzahlen in Essen und wie sich diese auf die verschiedene Mobilitätsarten verteilen. Zudem berichtete sie über Methoden, welche momentan angewandt werden, um die Pendlerzahlen auf den Straßen zu verringern. Ebenfalls gab Frau Jansen einen inspirierenden Ausblick darauf, was die Zukunft der städtischen Mobilität mit sich bringen kann, dabei zeigte sie konkrete Beispiele aus anderen Städten.

Christian Wagener ist Fahrradbeauftragter der Stadt Essen. In seinem Kurzvortrag verdeutlichte er die konkrete Situation für Radfahrer*innen in Essen und stellte Angebote der Stadt anschaulich vor. Die Beispiele reichten von Fahrradstraßen bis hin zu mietbaren Fahrradboxen.

Wie betriebliche Mobilitätskonzepte auf Unternehmensseite aussehen können, zeigte Matthias Holder von E.ON. Das Unternehmen bietet für Mitarbeiter u.a. einen eCar- Sharing Service an oder fördert aktiv Fahrgemeinschaften zum Arbeitsplatz.

Das besondere an den Kurzvorträgen war, dass sowohl auf funktionierende Konzepte, aber ebenso auf schwierige Herausforderungen im regionalen Mobilitätskontext hingewiesen wurde. Die Teilnehmer*innen waren schließlich vor Ort, um genau dazu ihre Köpfe rauchen zu lassen.

Mobilitätsconsultant Lasse Brand stellt die Challenge für Essen vor

Abschließend stellte Mobilitätsconsultant Lasse Brand die Challenge für den Climathon Essen auf den Punkt genau vor, so dass es direkt in die Ideenfindungsphase und die Gruppeneinteilung gehen konnte. Es bildeten sich vier Teams, die jeweils an einem Projekt zu arbeiten begannen. Dabei wurden die Gruppen tatkräftig von bereitgestellten Mentoren – Start Up Coach Lamia Afifiy, Design Thinking Expertin Verena Hermelingmeier und Lasse Brand als Mobilitätsexperte – durchgehend unterstützt.Climathon Coaches_Carsten Deckert

In den bunt gemischten Teams fanden sich von der Schauspielerin, über Studierende bis hin zu IT-Profis viele Profile wieder, so dass aus verschiedenen Richtungen und mit diversen Expertisen an den Projekten gearbeitet werden konnte.

Ausgerüstet mit einer Methoden-Mappe widmeten sich die vier Teams ihren Projekten. Sie definierten ihre Zielgruppe, entwickelten ihre Idee weiter, bauten Prototypen und fertigten ein Business Model an. Alles im Hinblick auf den Pitch vor der Jury am nächsten Morgen.

Für Unterhaltung war natürlich auch gesorgt. Das Impact Hub Ruhr Team und die Coaches sorgten mit kleinen Spielchen, 80er Jahre Aerobic und leckerem Essen dafür, dass die Teilnehmer*innen fit und wach blieben. Zwischendurch gab es zudem eine Liveschaltung zum Climathon nach Tallinn, der eine thematisch ähnliche Challenge bearbeitete. Auf einer Live Social Media Wall von Climate KIC konnte zudem das weltweite Spektakel parallel und kontinuierlich verfolgt werden.

Bis spät in die Nacht wurde konzentriert an den Projekten gearbeitet und nach einer kurzen Pause ging es am Samstag mit einem gemeinsamen Frühstück wieder gestärkt in den Morgen und vor allem in die entscheidende Phase.

Ihre Ideen stellen die Teams vor einer Jury vor

Um 9 Uhr wurden die Projekte der Jury, bestehend aus Klaus Kordowski (Stiftung Mercator), Inga Land (:agile accelerator), Matthias Sinn (Stadt Essen) und Julia Rawlins (Climate KIC), in kurzweiligen Präsentationen vorgestellt.

Team 1 präsentierte ihre App „Energy Go“, die seine Nutzer*innen dafür belohnt, wenn sie sich mehr bewegen und ihnen in Partnerschaft mit z.B. Energieunternehmen oder Krankenversicherungen Gutschriften zukommen lässt.

Climathon Präsentation_Fabian TodeDas Team von „Essen bewegt sich“ setzte auf eine ähnliche Strategie: Menschen sollen animiert werden, das Auto stehen zu lassen, um stattdessen lieber auf klimafreundliche Alternativen zu setzen. Mit Gamificationansätzen und Belohnungssystemen werden Nutzer*innen dazu gebracht, ihr gewohntes Verhalten zu verändern.

Mit „RuBiWo“ hatte das dritte Team eine Idee für ein Add-On einer App entwickelt, die es einfacher macht eine Wohnung zu finden, die näher am Arbeitsplatz liegt. Lange Pendelwege können damit verhindert und gleichzeitig kann komfortabel nach neuen Wohnungen gesucht werden.

Das Team von „I Park Bike“ nahm sich dem Thema Fahrradparken an. Fokussiert wurde das Problem, dass Fahrer*innen oft keinen geeigneten Abstellplatz finden, vor allem nicht für E-Bikes oder Lastenräder. Sicherheit stand hier ebenfalls im Vordergrund. Die Lösung des Teams: Mit Hilfe einer digitalen Karte werden freie Fahrradparkplätze, wie zum Beispiel leerstehende Garagen, angezeigt und Privatpersonen können ähnlich wie bei der Plattform AirBnB ihre freistehenden Stellflächen vermieten.

Die Jury ist begeistert von den Projekten und vergibt gleich 2 Preise

Die Jury war von allen Ideen begeistert und hatte konstruktives Feedback zu vergeben. “Besonders beeindruckt hat mich die überaus kreative Atmosphäre in den Räumen vom Impact Hub Ruhr, in der die Climathon-Teams unter Hochdruck an ihren Ideen arbeiten konnten. Und das mit Erfolg: Es sind innovative und belastbare Projektansätze entstanden, die es der Jury nicht leicht gemacht haben. Ich wünsche dem Gewinner-Team viel Erfolg bei der weiteren Umsetzung ihrer Idee,” sagt Klaus Kordowski von der Mercator Stiftung.Gewinner Climathon

Die Idee von „I Park Bike“ hat am Ende am meisten überzeugt, so dass das Team als Gewinner*innen des Climathons ausgezeichnet wurde. Ab sofort können sie im Impact Hub Ruhr weiter an dem Projekt arbeiten und zudem an Workshops von E.ONs :agile accelerator teilnehmen und Beratung durch Climate-KIC entgegennehmen. Einen weiteren Kreativ-Preis vergab die Jury spontan für die beeindruckende Performance-Präsentation des ersten Teams, auch sie können nun an Förder-Workshops teilnehmen, um weiteren Input für ihre Idee zu bekommen.

Der Climathon war ein voller Erfolg, sowohl für die Veranstalter als auch die Teilnehmer*innen, die in den 24 Stunden tolle Ideen in tragfähige Projekte umgesetzt haben.

Julia Rawlins von Climate-KIC sagt über den ersten Climathon in Essen: “Beim Climathon in Essen sind Bürger selbst aktiv geworden und haben Ideen für klimafreundliche Projekte auf lokaler Ebene entwickelt. Durch kreative Teamarbeit, Inputs von Experten und Unterstützung von Coaches wurden neue Lösungen für nachhaltige Mobilität in nur 24 Stunden präsentiert. Es sind neue Netzwerke zwischen diversen Akteuren der Stadt entstanden und Essen ist gleichzeitig Teil eines globalen Netzwerks von Climathon-Städten geworden.”

Also beste Voraussetzungen um nächstes Jahr erneut einen Climathon in Essen zu organisieren.

photo credits: Fabian Tode & Carsten Deckert von RuhrpottRoamers